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Leseprobe: „The way you breathe“ von San Erin

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Nicht einmal einen Meter von mir entfernt stand ein Mann. Er trug die gleiche Kleidung wie der Mann neulich, vielleicht nicht ganz die gleiche, aber ich glaubte, sie stammten in etwa aus demselben Zeitalter. Ich konnte mich mit meinem mangelnden Geschichtswissen auch um 500 Jahre verschätzen.
»Das ist der denkbar schlechteste Augenblick, um mir mit imaginären Kerlen zu kommen«, schnaubte ich, zog das Handtuch neben mir von der Wand und band es mir um die Hüfte.
»In der Tat. Ich habe nicht damit gerechnet, dich unter der Dusche anzutreffen.«
»Tja. Also, wie ich deinem Kollegen schon gesagt habe: Ich habe keine Zeit und Lust auf sowas.«
»Kassander? Er ist nicht mein Kollege. Ich habe auch nicht viel Zeit. Wenn er sieht, dass ich hier bin, wird er noch mehr Ärger machen.«
Ich schnalzte mit der Zunge.
»Ich würde wirklich gerne wissen, was mein Unterbewusstsein sich von euch verspricht.«
Ich überlegte, ob ich noch länger im Bad bleiben sollte. Aber den Mann konnte ohnehin keiner außer mir sehen. Und ob ich nun im Bad blieb und riskierte, dass sie hereinplatzten, weil sie glaubten, ich hätte mir das Leben genommen, oder ob ich in mein Zimmer ging und ihnen brav zeigte, dass ich noch lebte – es war alles in etwa dasselbe.
Ich öffnete die Tür, tappte durch den Flur und ignorierte alle Blicke, ehe ich die Schlafzimmertür hinter mir ins Schloss warf.
»Also, was kann ich dann für dich tun? Du bist möglicherweise nicht hier, um mit mir Schach zu spielen, oder? Der andere Kerl war, um ehrlich zu sein, kein freundlicher Zeitgenosse. Er war ziemlich angepisst von allem.« Ich sprach mit gesenkter Stimme, damit sie nicht glaubten, ich sprach mit mir selbst. Auch wenn sie damit recht hätten.
»Kassander hat dich im Blick. Deshalb habe ich es eilig. Er wurde vor den Hohen Rat gerufen, weil er sich eingemischt hat. Es ist uns untersagt, Dinge wegzunehmen, wenn es keinen triftigen Grund gibt. Aber Kassander hat keinerlei Problem, sich herauszureden, also werden sie ihn nicht lange in Beschlag nehmen«, erklärte er.
»Ich habe eigentlich nicht mal verstanden, was er von mir will«, erwiderte ich.
»Caleb? Könntest du die Tür noch mal …«, rief Tante Mary mir zu. Wütend sprang ich zur Tür, riss sie auf und ließ sie mit einer solchen Gewalt gegen den Schrank dahinter knallen, dass das Holz splitterte und ein paar kleine Splitter auf den Boden fielen.
»Nicht mal anziehen kann man sich hier! Wollt ihr dabei auch noch zusehen?!«, brüllte ich zurück, aber natürlich mochte mir keiner darauf antworten.
Der Mann setzte sich auf mein Bett, als würde er die Weichheit der Matratze wirklich testen können. Wenn er das könnte, hätte er nun festgestellt, dass es eine uralte, durchgelegene Billigmatratze war

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